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Geschichte der Kelzer Kirche:

Die Freiheitskonzession, die Landgraf Carl von Hessen am 18. April 1685 erließ, erlaubte denen, die „der reformierten Religion beigetan sind” (1), sich im Fürstentum Hessen, genauer in „Kassel, Homberg (Efze), Gudensberg, Felsberg, Hofgeismar, Grebenstein, Melsungen, oder wo ihnen sonst im Lande beliebt” (2) niederzulassen, Häuser zu beziehen oder neu zu bauen und ihre Berufe auszuüben. Besonders wichtig war der Absatz die Religionsausübung betreffend:

„Dafern sie der deutschen Sprache nicht kundig sein, soll ihnen entweder, eine eigene Kirche auf ihren Kosten aufzubauen, und darin in ihrer Sprache, fromme gottesfürchtige Prediger und Schulmeister, doch mit Ihr. Hochfürstl. Durchl. (Ihrer Hochfürstlichen Durchlaucht) oder dero hochgesetzten consistorii Vorwissen, und auf vorher gegangenes Examen und Approbation, zu berufen, frei gelassen werden, welche aber doch Ihrer Hochfürstl. Durchl. das homagium (Huldigung) zu leisten schuldig sein sollen. ” (3) (Nummer 1-3 nach HLO B_ d. III, S. 289-290. Originaldruck im Staatsarchiv Marburg, 5/9691, Bl. 11-12.)

Damit wurde den Flüchtlingen erlaubt, Kirchen zu bauen und ihre eigenen Prediger einzusetzen. So geschah es auch in Kelze. Nachdem die Häuser der Kolonisten gebaut waren, wandten sie sich dem Bau eines Gotteshauses in der Mitte des Dorfes zu. „Das Kelzer Gotteshaus erinnert in vielem an die etwas ältere Schöneberger Kirche, nur fehlen ihr die reichhaltigen Inschriften. Der zweigeschossige Saalbau mit dem Giebel zur Querstraße, des Dorfes wird von einem achteckigen Dachreiter mit welscher Haube gekrönt.” (Jochen Desel, In christlicher Liebe aufgenommen, Kassel 1995). Am 4. August 1709 konnte die Fachwerkkirche von dem Pfarrer David Clement, der die französischen Gemeinden Hofgeismar, Schöneberg und Kelze zusammen betreute (später kam auch Friedrichsdorf noch zu der Pfarrstelle hinzu), geweiht werden. Als Dank für die freigiebige Aufnahme durch den Landgrafen verzieren seine Initialen C.L.Z.H. (Carl Landgraf zu Hessen) den Bogen über der Eingangstür der Kirche (die Jahreszahl 1707 weist auf das Richtfest hin).

Bis in das Jahr 1822 blieb Kelze im Verbund mit Hofgeismar und Friedrichsdorf eine eigene (kleine) Gemeinde ehemaliger französischer Kolonisten. Nicht nur die Pfarrer wurden geteilt, es gab auch einen gemeinsamen Kirchenvorstand. Mit dem Weggang des letzten französischen Pfarrers Jean Philippe Theobald im Jahre 1820 (bis 1822 versah vertretungsweise Jean Daniel Moutoux aus Mariendorf die Pfarrstelle) war das Ende der französischen Gemeinde eingeläutet. Am 14. Februar 1822 übernahm der deutsche Pfarrer Johann Christoph Runge die kirchlichen Aufgaben in den Kolonien, und damit erfolgte die Eingemeindung in die Altstädter Kirchgemeinde. Die Vorrechte, die die französische Kirchengemeinde bislang besessen hatte, blieben erhalten: So waren sie weiterhin von der Entrichtung der Stolgebühren und von der Beteiligung an den Baukosten für die Hofgeismarer Mutterkirche befreit und erhielten auch weiterhin ihren Anteil an den Landeskollekten.

Mit Pfarrer Ernst Fuchs wurde Kelze schließlich im Jahre 1936 in die Neustädter Kirche eingemeindet (bis 1958). Er war es auch, der die französische Tradition Kelzes zu bewahren versuchte und mit seinem Heimatspiel “Resistez” (“Neue Heimat”) einen bemerkenswerten Beitrag zu der 250-Jahrfeier des Dorfes im Jahre 1949 leistete.

Die Kirche blieb lange Zeit Mittelpunkt des Dorflebens und “an der Kirche des Dorfes bewährte sich oft der Gemeinsinn der Bewohner, wenn es galt, etwas daran auszubessern oder schadhaft Gewordenes zu erneuern.” (A. Homburg, S. 30). 1863 wurde beispielsweise die Gefachefüllung auf Gemeindekosten durch Backsteinmauerung ersetzt. Eine größere Veränderung erfuhr die Kirche im Jahre 1923 durch Pfarrer Wissemann. Der schmucklose weiße Kalkanstrich des Kircheninnenraums bekam das erste Mal Farbe.

„(Pfarrer Wissemann) ließ die Wände mit graublauer Farbe, mit weiß abgesetzt, das Gestühl, die Kanzel, überhaupt alles Holzwerk entsprechend streichen, die Wand hinter der Kanzel oben mit einem Fries bemalen und im Vorraum der Eingangstür gegenüber ein Gemälde zur Erinnerung an den Weltkrieg auf die Wand malen.” (A. Homburg, 5.31)

Das erste elektrische Licht gab es für die Kelzer ebenfalls im Jahre 1923.

Nach und nach kamen immer mehr Besserungen und Neuerungen dazu: 1930 wurde in ein Harmonium investiert, das die alte Orgel ersetzte, ein Jahr später musste das Dach neu gedeckt werden und im Jahr 1937 gab es endlich einen Ofen, der den gläubigen Kirchgängern den Gottesdienst im Winter erheblich angenehmer gestaltete. 1938 erhielt die Kelzer Kirche eine Turmuhr – sie soll eine Spende von Auguste Homburg sein – mit einem Spruch zur Erinnerung an die Sterblichkeit der Menschheit.

Nach dem Gottesdienst am 1. Weihnachtstag konnte man das erste Mal das Schlagen der Turmuhr vernehmen. Leider schaffte man es nicht, das Schlagen der Uhr und das elektrische Läuten, welches nach dem Zweiten Weltkrieg installiert worden war, zu kombinieren, so dass es nun nur noch läutet, die Turmuhr aber niemals mehr ihren Klang über das Dorf schickt.

Im Jahre 1957 erfolgte nochmals eine Generalrenovierung zur 250-Jahrfeier des Kirchbaus, die mit einer großen Einweihungsfeier der neu renovierten Kirche am 6. Oktober begangen wurde.

Traditionellerweise wurden die Wände 1964/65 weiß gestrichen, so dass die kühle, klare Sachlich- und Schmucklosigkeit reformierter Kirchen wieder hergestellt wurde.

Dieses Bild bietet die Kirche auch heute nach erneuter, aufwendiger Renovierung von Juni 2006 bis April 2007. Besonderer Wert wurde hierbei darauf gelegt Techniken und Materialien zu verwenden, die dem aktuellen Stand des Denkmalschutzes entsprechen und mit den bestehenden Teilen des Bauwerks harmonieren. Die in den letzten Jahrzehnten freigelegene westliche Fachwerkwand wurde zum besseren Wetterschutz wieder verputzt.

Nachdem im April 2007 schon die Konfirmation in der wiederhergestellten Kirche gefeiert werden konnte, wurde die Kirche am 13.5.2007 festlich wieder eingeweiht.

Der Kelzer Friedhof befindet sich seit seiner Verlegung aus dem Unterdorf 1938 hinter dem heutigen Dorfgemeinschaftshaus, der ehemaligen Schule. Im Jahre 1976 wurde ein Gedenkstein zur Erinnerung an die gefallenen Soldaten errichtet.

Quelle: Berndt, Gabriele: 300 Jahre Hugenottendorf Kelze 1699 – 1999: … wie lebten sie damals …; … wie leben wir heute. …

 

 

 

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Pfarrer Markus Schnepel

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