Chronik SV Kelze

Vom „Schützen der Heimat, der Familie und von Hab und Gut“

Auf eine mehr als 250jährige Geschichte kann der Schützenverein Kelze 1742 e.V. zurückblicken.
Er ist somit der älteste Verein unseres Dorfes. Urkundlich ist das Gründungsjahr nicht zu belegen.
Nachdem im Jahre 1699 französische Bürger hugenottischer Herkunft hier in Kelze eine neue Heimat
fanden und die ersten schwierigen Jahre des Aufbaus einer Existenz hinter sich hatten, begann für
sie auch das dörfliche Vereinsleben. Im Jahre 1742 wurde eine Schützenvereinigung
„la Societe de Keltze“ gegründet. So steht es im Schützenbuch des Vereins mit Datum 24. März 1805.

 

schuetzenbuch

 

Neben den Pflichten und Aufgaben des täglichen Lebens, sowie dem „Schützen“ von Hab und Gut wurde
der Verein auch Träger des kulturellen Lebens unseres Dorfes und ist es bis heute geblieben.

Die kulturellen Höhepunkte des Jahres, der traditionelle Aschermittwoch oder das Fußballturnier,
werden jährlich im Wechsel mit der Feuerwehr ausgerichtet.

Damals wurde alljährlich ein Schützenfest gefeiert. Es war sehr lange der festliche Höhepunkt des
Dorfgeschehens. Interessant ist, dass bei dem Schützenfest nicht geschossen wurde.
Der Wettbewerb bestand aus einem Preiskegeln. Die älteste uns vorliegende Berechnung der
jeweiligen Schützenmeister stammt aus dem Jahre 1861. Teilweise wurden auch die Ergebnislisten des
Kegelwettbewerbs aufbewahrt. Das Bier zum Feiern wurde im Dorf selbst gebraut, wie es in dieser
Zeit üblich war. Im Laufe der Jahre müssen sich Unregelmäßigkeiten eingeschlichen haben,
so dass sich die Mitglieder der Kelzer „Schützen-Companie“, wie sie sich mittlerweile nannte,
am 3. August 1772 genötigt sahen, die Statuten aus dem Jahre 1742 drastisch zu verschärfen.
Im Schützenbuch sind hierzu 24 Artikel in französischer und deutscher Sprache niedergeschrieben.
Die französische Einleitung und die deutsche Übersetzung der Studienrätin Auguste Homburg
in ihrem Buch „Die französische Kolonie Kelze“ sei hier wiedergegeben.

„Da die Gesellschaft so viel Betrügereien entdeckt hat, ist sie gezwungen, einen Aufseher zu nehmen,
der es übernehmen wird, alljährlich die Stiche der Schützenmeister aufzunehmen, ebenso wird man eine gewisse
Anzahl Kannen für die Jugend festsetzen, sei es, dass sie das Bier herbeischafft oder dass sie die Maibäume holt.

Ich, der Aufseher, nehme Gott zum Zeugen, dass ich einen halte wie den andern,
und so viel wie möglich das Recht herrschen zu lassen, Amen.“

Unterbrochen wurden die alljährlichen Schützenfeste nur durch kriegerische Ereignisse.
Das letzte Schützenfest vor dem Ersten Weltkrieg wurde noch im Jahre 1914 gefeiert. Allerdings nahm man
erst 1920 die Festlichkeiten wieder auf. Die letzte Eintragung im Schützenbuch vor dem Zweiten Weltkrieg ist die
Mitgliederliste aus dem Jahre 1933. Aus dem gleichen Jahr stammt auch die letzte Abrechnung eines Schützenfestes.
Neben dem Schützenverein Kelze 1742 gab es Ende der 20er Jahre noch den Kriegerverein (Kyffhäuser) Kelze.
Seine Fahne, die sich im Vereinslokal „Zum Jean Bonnet“ befindet, wurde vom letzten noch lebenden
Mitglied Wilhelm Bonnet dem Schützenverein übereignet.

Am 01.12.1929 wurde als weiterer Verein der „Kleinkaliber-Schützenverein Kelze“ gegründet.
Dem Verein traten laut Gründungsprotokoll 22 Mitglieder bei. Das Schießen mit dem Kleinkalibergewehr
begann 1930 auf einer Wiese (!) am Hahnenberg und zwar parallel zum damaligen Mühlenweg (heute „Zum Hahnenberg“).
Diese Wiese pachtete der Kleinkaliber-Schützenverein für 4 Reichsmark jährlich von der Gemeinde Kelze.
Um der Witterung nicht ausgesetzt zu sein, errichtete man 1931 eine Schutzhütte. Sie überstand den Zweiten Weltkrieg,
wurde aber bald danach abgerissen. Ein Zeuge dieser Epoche ist die Ruine des Anzeiger-Einstandes unterhalb des Hahnenberges.

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges ließen die Aktivitäten des Vereins nach, da die meisten Mitglieder
zum Wehrdienst gerufen wurden. Letzte Dokumente dieses Vereins liegen aus dem Jahre 1938 vor.
Im Besitz des Schützenvereins Kelze 1742 e.V. befindet sich noch die Fahne des Kleinkaliber-Schützenvereins
aus dem Jahre 1930. Sie wurde bei öffentlichen Auftritten des Vereins bis zur 240-Jahrfeier 1982 mitgeführt.
Die Wiedergründung des Kelzer Schützenvereins nach dem Krieg vollzog sich 1959. In einer Orientierungsphase wurde geprüft,
ob sich der wiederzugründende Verein dem Kyffhäuser- oder dem Schützenverband anschließen sollte.
Man entschied sich für die Mitgliedschaft im Schützenverband. So gibt es seit dem 01.01.1960 wieder einen Schützenverein in Kelze.
Über den damaligen Schützenkreis 5 wurden dem Verband 22 Mitglieder gemeldet.
Die ersten weiblichen Mitglieder waren Magdalena Benoit und Christa Helmtag. Sie traten 1965 dem Verein bei.

Im Jahre 1975 wurde beschlossen, das ursprüngliche Gründungsjahr 1742 wieder in den Namen aufzunehmen,
und nicht wie bisher gehandhabt, das Wiedergründungsjahr 1960 als Gründungsjahr anzugeben.

Nach der Neugründung 1960 wurde der Schießbetrieb mit dem Luftgewehr im Saal der Gaststätte Bonnet bis 1970 durchgeführt.
Die Inhaber Egon und Brigitte Löwenstein, begannen die Gaststätte zu einem Speiserestaurant und Landhotel umzubauen.
Nach Fertigstellung des Rohbaus konnte in einem Kellerraum auf vier Ständen wieder geschossen werden.
Die offizielle Einweihung der neuen Schießanlage wurde in Verbindung mit der 15jährigen Wiedergründung
am 18. Januar 1975 gefeiert. Zwischenzeitlich ruhte der Schießbetrieb.

1975 traten dem Verein dreizehn meist jugendliche Mitglieder bei. Im gleichen Jahr wurde das Schießen mit der Luftpistole begonnen.
Ohne separaten Raum gestaltete sich der Aufenthalt der Jugendlichen im Gastbereich des Lokals sehr problematisch.
Vier Stände erwiesen sich als viel zu wenig, um ein geordnetes Trainingsprogramm durchführen zu können.
Zudem benötigte der Wirt weiteren Raum zur Versorgung der über dem Schießstand liegenden Saaltheke.

Bereits 1976 begannen deshalb Gespräche mit der Stadt Hofgeismar über eine anderweitige Unterbringung des Schützenvereins.

Viele Möglichkeiten wurden untersucht und beraten. Unterbringung im Dorfgemeinschaftshaus,
ein Anbau am südlichen Teil desselbigen, über der Gefrieranlage, dem jetzigen Aufenthaltsraum
der Freiwilligen Feuerwehr oder eine Unterbringung in einem zu errichtenden Hotel, das allerdings nie gebaut wurde.
Bedauerlich war, dass sich das Problem der Kelzer Schießanlage zu einem politischen Streit zwischen den damaligen
Fraktionen in der Hofgeismarer Stadtverordnetenversammlung entwickelte. Zeitungsberichte aus dieser Zeit dokumentieren dies.

In einer Vorstandssitzung am 5. Juni 1980 und einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 25. Juli des gleichen Jahres
wurde beschlossen, auf dem Platz der damaligen Schutzhütte des Kleinkaliber-Schützenvereins ein Schützenhaus zu errichten.
1980 wurde auch der Bau einer Grillstation gebilligt, so dass gemeinsame sanitäre Anlagen errichtet werden konnten.
Im September 1983 wurde mit dem Bau des Schützenhauses begonnen. Nach zweijähriger Bauzeit wurde am 04.10.1985
erstmalig wieder geschossen. Offizielle Einweihung und Übergabe erfolgte durch Bürgermeister Willi Croll im
Rahmen einer Feier am 10. Mai 1986.

Weitere Höhepunkte in der Vereinsgeschichte waren die 240-Jahrfeier.
Im Jahre 1982 mit Fahnenweihe durch Minister Herbert Günther und die 250-Jahrfeier in
Verbindung mit dem ersten Kreisschützenfest 1992 in Kelze.

Der Hessische Innenminister Dr. Herbert Günther hatte wiederum die Schirmherrschaft übernommen.

Besonderer Abschluss der Festwoche vom 22. – 24. Mai 1992 war der Festzug am 24. Mai. In einer eindrucksvollen
Weise demonstrierten die Vereine des Schützenkreises Hofgeismar, sowie die örtlichen Vereine und Verbände
ihre Verbundenheit mit den Kelzer Schützen.

Dieses Jubiläum hinterließ bei vielen eine bleibende Erinnerung. In der darauffolgenden Jahreshauptversammlung am 04.09.1992
erfolgte der angekündigte Stabswechsel. In der Zeit vom 04.09.1992 bis zum August 2000 wurde der Verein von einem jungen
Vorstand unter der Führung des 1. Vorsitzenden Jörg Helmtag geführt. Seit August 2000 ist sein Nachfolger Ulrich Stallknecht im Amt.

Zahlreiche neue Ideen, Anschaffungen (4 Gewehre u. 2 Pistolen) und Aktivitäten kennzeichnen diese Phase,
in der der Verein seiner Verantwortung für das Gemeinwohl und der Dorfgemeinschaft gerecht wird.

Zusätzlich wurde das Vereinsleben durch „Familienmitgliedschaften“ positiv belebt. So spiegelt sich die Bedeutung des
Vereins für Kelze auch in der Entwicklung seiner Mitgliederzahlen wieder. Derzeit zählt der Verein 147 gemeldete Mitglieder.